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Schülergrade und ihre Bedeutung

Viele Kampf- und Budokünste Asiens unterscheiden Schüler- und Meistergrade. Heutzutage sind in den meisten Kampfsportarten und Kampfkünsten farbige Gürtel deren Symbole. Häufig (bei unserem Aikido nicht!) werden diese benutzt, um zu zeigen, wie viel des Weges schon beschritten worden ist. Doch neben dieser haben die Farben der Grade auch eine ursprüngliche Bedeutung.
Der 6. Kyugrad
Der weiße Gürtel wird als Beginn des Lernens bezeichnet. Die Farbe weiß symbolisiert die Reinheit, das Klare, das Saubere und steht insbesondere in Asien als Farbe für den Anfang - und die Trauer, bedingt durch das ständige Wiederholen der Grundtechniken. Der traditionellen Einschätzung nach ist das Verhalten des Schülers beim Erwerb des 6. Kyugrades wie folgt zu beschreiben: Passiv, empfänglich, schwach, mitfühlend, untergeordnet, kalt, unfreundlich und pessimistisch gegenüber seinen Mitschülern, unordentlich in allen Dingen seines Wirkens.
Der 5. Kyugrad
Der gelbe Gürtel symbolisiert die Sonne, deren Licht, Wärme, sowie Wachstumseigenschaften, die den Schüler nun auf seinem Ausbildungsweg begleiten sollen. Das erste Lehrjahr hat begonnen. Der Anfänger erreicht diesen Grad nach einer Lehrzeit von 4-6 Monaten, wenn sein Bewegungsablauf in den Grundtechniken flüssiger geworden und richtig koordiniert ist und ein Stocken vermieden werden kann. Gelb ist eine warme und reine Farbe. Sie wirkt ausgleichend und aufmunternd, stärkt die Nerven, beeinflusst das Leben positiv und regt fördernd an. Das Schülerverhalten wird nun beschrieben als zeitweise schwerfällig und langsam, unschöpferisch und unglücklich. Mühevoll sind die Leistungen bei der Technikschulung und verkrampft noch die Basishaltung. Darüber hinaus gibt es beim Erreichen dieses Leistungsgrades im Budo die höchste Absprungrate.
Der 4. Kyugrad
Der orange oder rote Gürtel wird mit der Farbe des Feuers verglichen, denn er verbrennt in dem Schüler die Angst, erwärmt ihn und schützt seine Entfaltung und Entwicklung im Budo. Das zweite Lehrjahr beginnt. Diesen Kyugrad erreicht der Schüler nach einer weiteren Trainingszeit von 6-8 Monaten. Hier sollte nun der Technikablauf in der Grundschule wesentlich flüssiger sein als beim vorhergehenden 5. Kyugrad. Der Schwerpunkt (Hara) sollte tiefer sitzen und die Koordination des Bewegungsablaufes sicherer sein. Auch die Geschwindigkeit muss mit einer erkennbaren Anspannung in der Endphase vorhanden sein. Rot ist die wärmste, aber auch die stärkste reine Farbe. Die Farbe rot ist ungemein stark und anregend, fördert die Durchblutung, die Atmung und die Herz- und Kreislauftätigkeit. Allerdings wird die Schmerzempfindlichkeit deutlich erhöht. Orange steht zwischen Gelb und Rot, hat also die Wirkung dieser beiden Farben, ist kräftigend und stimmungsaufhellend. So hellt Orange die Psyche auf, wirkt auf Depressionen und macht fröhlich. Das Schülerverhalten wird in dieser Phase wesentlich ruhiger. Nur zeitweise ist der Schüler deutlich erregt, jedoch einfacher, disziplinierter, verständnisvoller und aufmerksamer gegenüber den Anweisungen des Meisters.
3. Kyugrad
Die Farbe des grünen Gürtels soll die Stabilität unserer Mutter Erde symbolisieren, denn jetzt hat sie noch ihre segensreiche Vegetation. So soll die Farbe Grün auch die innere und äußere Ruhe stabilisieren und uns ständig ermahnen, mit diesen lebenswichtigen Gütern sorgsam umzugehen. Diesen Grad erreicht der nun fortgeschrittene Schüler nach einer weiteren Trainingszeit von ca. 6-8 Monaten. Hier prüft nun der Meister bei seinem Schüler, inwieweit Geschwindigkeit, Anspannung in der Endphase und Koordination übereinstimmen. Auch die wechselweise Schwerpunktverlagerung spielt eine größere Rolle bei der Vergabe dieses grünen Gürtelgrades. Das dritte Lehrjahr beginnt. Grün entsteht durch das warme Gelb und das kalte Blau. Grün ist eine vorzügliche Farbe, um Ruhe und Erholung zu finden. Grün wirkt sich grundsätzlich bei einer bestehenden Gefühlslage steigernd aus. Der Schüler ist während dieser Zeit vielseitiger geworden und vor allen Dingen auch abenteuerlustiger in der Anwendung und Durchführung der Technikschulung. Nervös und unsicher ist er dennoch um eine bessere Grundschule bemüht und versucht sich anzupassen.
Der 2. Kyugrad
Der blaue oder violette Gürtel soll an die Reinheit und Klarheit des lebensspendenden Wasser erinnern, aber auch an seine ungezügelte und gefährliche Kraft. Nach weiteren 6-10 Monaten Trainingszeit kann der Schüler die Prüfung zum 2. Kyugrad bestehen, wenn die von ihm vorgeführten Grundtechniken nun schon sehr fließend sind. Die Ausführungen und Endstellungen der Techniken sollten gut mit dem Hüfteinsatz und dem Schwerpunkt koordiniert sein. Der blaue Gürtel verlangt von dem Schüler eine hohe Konzentration und ist eigentlich der schwierigste Kyugrad. Er ist jetzt im vierten Lehrjahr.
Blau wirkt beruhigend, Blutdruck senkend und stark dämpfend. Die Schmerzbereitschaft wird deutlich gesenkt. So ist blau eine reine, aber auch kalte Farbe. Sie unterstützt den Schlaf und die Entspannung. Das Verhalten der Schüler ist nun wie folgt zu charakterisieren: Brillant, froh, künstlerisch veranlagt und glücklich über seine Leistungen, die sich durch einen leichten Erfolg durch die Führung seines Meisters sowie einen harmonischen Bewegungsablauf in der Technikschulung auszeichnen. Es kann aber auch zu kritischen Phasen kommen, etwa zu Beginn von Widersprüchen und Wutausbrüchen gegenüber dem Meister, Intrigen und Verleumdungen, sowie Arroganz und Überheblichkeit in Problemsituationen. Wird vom Meister dieser Zustand nicht rechtzeitig erkannt, verliert der Schüler vor seinem Meister den Respekt und begibt sich auf den für das Budo falschen Weg.
Der 1. Kyugrad
Die Farbe des braunen Gürtels soll den Schüler an die Macht der Berge erinnern und daran, dass es nun an der Zeit ist, sich mit dem Kosmos, dem Himmel zu befassen, damit ihm der Aufstieg zur Meisterschaft bewusster wird. Dieser letzte Schülergrad wird erst nach einer weiteren Trainingszeit von 8-12 Monaten erreicht. Der Schüler muss nun die richtige Führung des Körperschwerpunktes sowohl in der Vorwärts- als auch in der Rückwärtsbewegung beherrschen ebenso wie den Wechsel von einer Grundstellung in die andere. Darüber hinaus sollte die Koordination zwischen Armen und Beinen und der Körperhaltung, der richtigen Stellung der Hüfte und der Schultern sowie die angemessene Spannung bei der Endausführung der einzelnen Fuß- und Handtechniken beherrscht werden. Braun ist eine Farbe, die nicht nur unauffällig ist, sondern auch eine gewisse Bescheidenheit verkörpert und stabilisierend auf die Sicherheit des Einzelnen wirkt. Sie hat auch jene unbeugsame Kraft im Hintergrund, die letztendlich den Aufstieg zum Erfolg garantiert, die der treibende Faktor zum Meistergrad ist. Der Schüler zeichnet sich nun dadurch aus, dass er aktiv und zielstrebig, mächtig und mitleidlos, führend und erneuernd ist, eine eigenkritische Selbstbetrachtung bildet sich, er ist kritikfreudiger gegenüber dem Meister und seinen Mitschülern, leider auch oft anmaßend und verletzend.
nach Horst Heinrich Zettner