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Zen und Atem
"Sphärische Bewegungen stellen die Basis des Aikido dar. Ein Kreis symbolisiert die Leere, und Leere ist der ursprüngliche Zustand des Geistes. Es ist ein Zustand vollkommenen Friedens. Ki wird geboren, wenn sich ein Zentrum entwickelt inmitten der Leere'. (Morihei Ueshiba).
Der Krieger (Bushi oder Bujin) musste seine Persönlichkeit und seinen Charakter bilden, sich gegen alle Greuel seines Metiers stählen, auch gegen die Angst um das eigene Leben. Was die Samurai, die adligen Krieger und selbst die Soldaten der niederen Ränge dazu trieb, die Klöster aufzusuchen und sich von den Meditationstechniken der Mönche anregen zu lassen, war weniger die Neigung zur höheren Bildung oder zur Meditation als vielmehr die Hoffnung auf Hilfe in ihrer persönlichen Situation. Diese Menschen gingen ganz auf in den ständigen Gewalttätigkeiten der feudalen Gesellschaft, und ihre Interessen reichten selten über das Handwerk des Kämpfens hinaus. Sie wollten ihr Verhalten so beherrschen lernen, dass sie die größtmöglichen Aussichten auf Erfolg hatten und die Kampftechniken wirkungsvoll anwenden konnten.
Zen bot ihnen nicht nur eine Philosophie, sondern zugleich auch eine bestimmte Lebensform, die für die Kunst, das Schwert zu gebrauchen, nur nützlich sein konnte und die ihnen den Kampf erträglicher machte. Zen lehrte sie, wie sie zur vollkommenen Beherrschung ihres Verhaltens gelangen könnten, und unterwies sie in Techniken, die zur Befreiung von Angst, zur Stille des Geistes und zur körperlichen Entspannung führten - zu einer Verfassung, die in jeder Lage ein aufmerksames, schnelles Handeln erlaubte. Die Lehren des Zen-Buddhismus bestanden für den Krieger darin, dass er wieder in einen Zustand urtümlicher Schlichtheit versetzt wurde, wie beim Erwachen des Neugeborenen, das die Realität "ozeanisch" wahrnimmt ohne die Trübung seiner Wahrnehmung durch eine sehr subjektive und daher selektive innere Einstellung. Wenn er die lähmende Angst, alle Gewohnheiten, Spannungen und Leidenschaften abgestreift hat, die wie Staubkörner den "Spiegel des Daseins" trüben, gewinnt der Mensch seine Fähigkeiten wieder. Er sieht alles und hält nichts fest. Mit Gewandtheit weiß er sich seiner Fähigkeiten zu bedienen und gewinnt dadurch eine hohe Lebenstüchtigkeit.